Marke dokumentieren = Firmenwert sichern: Brand Guidelines als übertragbares Asset
Brand Guidelines sind nicht nur für Designer. Sie sind ein übertragbares Unternehmens-Asset, das bei einer Nachfolge den Unterschied zwischen einem reibungslosen Übergang und einem Identitätsverlust macht.
Ich frage Dich etwas: Wenn Du morgen von einem Bus überfahren wirst (sorry für das Bild), könnte jemand anderes Deine Marke weiterführen? Wüsste diese Person, welche Farben zu verwenden sind, wie das Logo platziert wird, wie Dein Unternehmen klingt?
Oder ist das alles in Deinem Kopf?
Bei den meisten KMU-Inhabern, die wir treffen, ist es Letzteres. Die Marke existiert als Bauchgefühl. Und Bauchgefühl lässt sich nicht verkaufen.
Was Brand Guidelines eigentlich sind
Vergiss den Begriff “Corporate Design Manual”. Klingt nach Konzern, nach 200-seitigem PDF, das niemand liest. Darum geht es nicht.
Brand Guidelines sind eine Bedienungsanleitung für Deine Marke. Nichts mehr, nichts weniger. Ein Dokument, das jeder versteht, ob Nachfolger, neuer Mitarbeiter oder externe Druckerei. Es beantwortet die Frage: Wie sieht unser Unternehmen aus, und wie klingt es?
Das umfasst: Logo-Dateien in allen Formaten. Farbcodes (exakt, nicht “so ein Blau”). Schriftarten. Regeln für Fotos und Bildsprache. Tonalität. Und idealerweise die strategischen Grundlagen: Wofür steht die Marke, wen sprechen wir an, was unterscheidet uns.
Warum das bei einer Nachfolge entscheidend ist
In unserem Haltung-Klarheit-Führung-Wirkung-Prozess ist die Führungsebene der Marke das, was den Unterschied macht. Führung heisst: Die Marke hat ein System, das unabhängig von einzelnen Personen funktioniert.
Bei einer Nachfolge wird das zum harten Asset.
Ein Käufer, der dokumentierte Brand Guidelines bekommt, sieht: Dieses Unternehmen hat Strukturen. Die Marke läuft weiter, auch wenn der Gründer geht. Das reduziert sein Risiko. Und weniger Risiko heisst höherer Preis.
Ein Käufer, der keine Guidelines bekommt, sieht: Ich muss die Marke erst verstehen, dann dokumentieren, dann möglicherweise neu aufbauen. Das kostet mich CHF 20’000 bis 50’000. Diese Kosten zieht er vom Kaufpreis ab. Im Kopf, wenn nicht auf Papier.
Was reingehört (und was nicht)
Halte es praktisch. Ein Brand-Guidelines-Dokument für ein KMU mit 5 bis 50 Mitarbeitern braucht 15 bis 25 Seiten. Mehr nicht.
Muss rein:
- Logo in allen Varianten (Farbe, Schwarz-Weiss, Icon) plus Schutzzonen
- Primär- und Sekundärfarben mit HEX, RGB und CMYK-Werten
- Schriftarten für Überschriften, Fliesstext und Web
- 5 bis 10 Beispielfotos, die den gewünschten Bildstil zeigen
- 3 bis 5 Sätze zur Tonalität (“wir klingen so, nicht so”)
- Anwendungsbeispiele: Visitenkarte, Offerte, Fahrzeug, Website
Kann rein, muss nicht:
- Markenwerte und Positionierungssatz
- Zielgruppen-Personas
- Social-Media-Richtlinien
- Präsentations-Vorlagen
Gehört nicht rein:
- 50 Seiten Markenstrategie, die niemand liest
- Regeln, die so restriktiv sind, dass sie ignoriert werden
Der Unterschied in der Praxis
Karin Muther kam zu uns als Freelancerin ohne einheitlichen Auftritt. Nach dem Projekt hatte sie nicht nur ein Logo und eine Website. Sie hatte ein System: Guidelines, Vorlagen, definierte Farben und Schriften. Ihr Kommentar: “Mein Auftritt fühlt sich endlich authentisch und stimmig an.”
Stimmig. Das ist das Schlüsselwort.
Stimmig heisst: Alles passt zusammen. Alles wirkt gewollt. Und alles ist reproduzierbar, auch von jemand anderem. Genau das braucht ein Käufer.
Was Du jetzt tun kannst
Drei Optionen:
Du hast bereits ein Branding, aber keine Guidelines? Dann lass sie dokumentieren. Das dauert 2 bis 4 Wochen und kostet einen Bruchteil dessen, was es an Firmenwert sichert.
Du hast ein veraltetes Branding und brauchst beides, Refresh und Dokumentation? Dann ist ein komplettes Branding-Projekt der richtige Weg. In 6 bis 10 Wochen steht alles.
Du bist Dir nicht sicher, was Du brauchst? Dann beschreib uns in drei Sätzen, wo Du stehst. Wir sagen Dir, was sinnvoll ist. Hier entlang.
Häufige Fragen
Was gehört in Brand Guidelines für eine Firmennachfolge? +
Mindestens: Logo-Varianten mit Schutzzonen, Farbpalette mit exakten Farbcodes, Schriftarten, Bildsprache-Richtlinien, Tonalität der Kommunikation und Anwendungsbeispiele. Bei einer Nachfolge zusätzlich wichtig: Markenwerte, Positionierung und Zielgruppen-Definition, damit der Nachfolger die strategische Richtung versteht.
Braucht ein kleines KMU wirklich Brand Guidelines? +
Gerade ein kleines KMU profitiert davon. Ohne Guidelines steckt die Marke im Kopf des Inhabers. Bei einer Übergabe geht dieses Wissen verloren. Dokumentierte Guidelines sind ein Versicherungsschutz gegen Identitätsverlust.
Was kosten Brand Guidelines? +
Als Teil eines Branding-Projekts sind Guidelines normalerweise inbegriffen. Als Einzelleistung für ein bestehendes Erscheinungsbild rechnet man mit CHF 3'000 bis 8'000, je nach Umfang und Komplexität.