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Aufbau · Teil 2 6 min

Positionierung für Gründer:innen und Selbständige in der Schweiz

Positionierung für Gründer:innen und Selbständige in der Schweiz: Finde Deine Differenzierung und kommuniziere sie so, dass sie bei Deiner Zielgruppe ankommt.

Positionierung für Gründer:innen und Selbständige in der Schweiz

Positionierung ist nicht, was Du tust. Sondern warum jemand Dich wählt statt alle anderen.

Das ist der Satz, den die meisten Gründer:innen beim ersten Mal überlesen. Weil er so einfach klingt. Und weil die Konsequenz daraus unbequem ist: Wenn Deine Positionierung nicht klar ist, konkurrierst Du über den Preis. Immer.

In Teil 1 dieser Serie haben wir darüber gesprochen, was eine Marke wirklich ist. Nicht Dein Logo, sondern das Gefühl, das bleibt. Jetzt gehen wir einen Schritt tiefer: Wie findest Du den einen Grund, warum jemand ausgerechnet zu Dir kommt?

Wenn Du gerade gründest oder seit kurzem selbstständig bist, ist dieser Artikel für Dich. Nicht Theorie. Praxis. Am Ende hast Du ein Positionierungs-Statement, das Du sofort verwenden kannst: auf Deiner Website, im Erstgespräch, im Elevator Pitch.

Warum die meisten Gründer:innen falsch positioniert sind

Mal ehrlich: Wenn jemand Dich fragt, was Du machst, wie lange brauchst Du für die Antwort?

Wenn es mehr als zwei Sätze sind, hast Du ein Positionierungsproblem. Nicht, weil Du nichts kannst, sondern weil Du zu viel kannst und nicht weisst, worauf Du den Fokus legen sollst.

Das sieht dann so aus:

  • Die Website sagt alles und nichts. «Wir bieten massgeschneiderte Lösungen für Ihr Unternehmen.» Das könnte eine Schreinerei sein. Oder eine Beratung. Oder ein Cateringservice.
  • Die Kund:innen kommen, aber es sind die falschen. Du ziehst Menschen an, die den Preis drücken wollen, weil sie keinen Unterschied zwischen Dir und der Konkurrenz erkennen.
  • Du fühlst Dich austauschbar. Obwohl Du weisst, dass Du gute Arbeit machst. Dass Deine Kund:innen zufrieden sind. Dass Dein Ansatz anders ist. Aber Du kannst es nicht in Worte fassen.

Das ist kein Kommunikationsproblem. Das ist ein Positionierungsproblem. Und es kostet Dich jeden Tag Geld: in verlorenen Anfragen, in Preisverhandlungen, in Energie für die falschen Projekte.

In unserer Arbeit mit Gründer:innen sehen wir es immer wieder: Wer klar positioniert ist, gewinnt nicht nur Aufmerksamkeit, sondern Vertrauen. Und Vertrauen ist in der Schweiz die härteste Währung überhaupt.

Die 3-Satz-Positionierung: Dein praktisches Framework

Vergiss komplizierte Positionierungsmatrizen. Vergiss «Blue Ocean Strategy»-Diagramme. Du brauchst drei Sätze. Drei klare, ehrliche Sätze.

Satz 1: Wem hilfst Du? Nicht «allen». Nicht «KMU». Nicht «Menschen, die Qualität schätzen». Sondern konkret. Je spezifischer, desto besser.

Beispiel: «Ich helfe Physiotherapeut:innen in der Deutschschweiz, die sich gerade selbständig machen.»

Satz 2: Welches Problem löst Du? Nicht das technische Problem. Das emotionale. Was hält Deine Kund:innen nachts wach? Was nervt sie? Wo stecken sie fest?

Beispiel: «Die meisten haben eine super Ausbildung, aber keine Ahnung, wie sie Patient:innen gewinnen, ohne sich unter Wert zu verkaufen.»

Satz 3: Was macht Dich anders? Hier wird es spannend. Nicht besser, anders. Was ist Dein Ansatz, Deine Perspektive, Dein unfairer Vorteil?

Beispiel: «Ich kombiniere Branding mit Praxiserfahrung, weil ich selbst zehn Jahre eine Physiotherapie-Praxis geführt habe.»

Zusammen ergibt das:

«Ich helfe Physiotherapeut:innen in der Deutschschweiz, die sich gerade selbständig machen. Die meisten haben eine super Ausbildung, aber keine Ahnung, wie sie Patient:innen gewinnen, ohne sich unter Wert zu verkaufen. Ich kombiniere Branding mit Praxiserfahrung, weil ich selbst zehn Jahre eine Physiotherapie-Praxis geführt habe.»

Das ist eine Positionierung. Kein Slogan, kein Marketingsprech. Eine klare Aussage, mit der jeder sofort versteht, ob Du die richtige Person bist.

Positionierung ist Verzicht. Nicht auf Qualität, auf Beliebigkeit. Und genau dieser Verzicht macht Dich erst wirklich sichtbar. Das sagt sich leicht. Aber Karin Muther, eine Fotografin aus Zürich, die jahrelang «alles für alle» gemacht hatte, beschrieb es nach unserer Zusammenarbeit so: «Ich fühle mich endlich authentisch. Die Anfragen, die jetzt kommen, passen zu mir, und ich muss nicht mehr jeden Auftrag annehmen, weil ich Angst habe, sonst nichts zu bekommen.»

«Aber ich mache so viele Dinge!» Die Angst vor dem Fokus

Ich höre diesen Einwand in fast jedem Workshop. Und ich verstehe ihn. Du hast in verschiedenen Bereichen Erfahrung. Du kannst verschiedene Probleme lösen. Dich auf eine Sache festzulegen fühlt sich an, als würdest Du Geld auf dem Tisch liegen lassen.

Aber das Gegenteil ist der Fall.

Denk an Deine letzte Zahnschmerz-Erfahrung. Du hättest zum Allgemeinmediziner gehen können. Aber Du bist zum Zahnarzt gegangen. Warum? Weil Spezialisierung Vertrauen schafft. Und Vertrauen schafft Zahlungsbereitschaft.

McKinsey kommt zum Schluss: Spezialisierte Dienstleister können bis zu 20% höhere Preise durchsetzen als Generalisten. Nicht weil sie mehr können, sondern weil der wahrgenommene Wert höher ist.

Und jetzt der wichtigste Punkt: Positionierung ist nicht gleich Leistungsbeschränkung. Du kannst weiterhin verschiedene Dinge anbieten. Aber nach aussen kommunizierst Du einen klaren Fokus. Die Tür, durch die Kund:innen reinkommen, ist schmal. Was dahinter passiert, kann breit sein.

Ein Beispiel: Du bist Grafikdesignerin und machst Logos, Websites, Flyer, Social-Media-Grafiken und Verpackungsdesign. Statt «Ich mache Grafikdesign» sagst Du: «Ich helfe Food-Startups in der Schweiz, die vom Hofladen in den Detailhandel wollen, mit Verpackungen, die im Regal auffallen.»

Plötzlich bist Du nicht mehr eine von tausend Grafikdesigner:innen. Du bist die Verpackungsspezialistin für Food-Startups. Und wenn dieselbe Kundin dann auch ein Logo braucht? Natürlich machst Du das. Aber die Tür war das Verpackungsdesign.

Das Prinzip dahinter: Deine Positionierung ist Dein Einstiegspunkt, nicht Deine Grenze.

Positionierung in der Schweiz: Vertrauen vor Versprechen

Die Schweiz ist kein US-amerikanischer Markt. Hier funktioniert lautes «Wir sind die Besten!» nicht. Hier zählt etwas anderes: Substanz, Verlässlichkeit, Empfehlung.

Das hat konkrete Auswirkungen auf Deine Positionierung:

Der Markt ist klein, und das ist Dein Vorteil. In der Deutschschweiz kennt man sich. Zwei, drei Ecken, und Du bist bei der Person, die Du erreichen willst. Das bedeutet: Mundpropaganda funktioniert hier besser als überall sonst. Aber nur, wenn man über Dich etwas Konkretes sagen kann. «Die macht Branding» reicht nicht. «Die hat uns geholfen, unsere Positionierung so auf den Punkt zu bringen, dass wir die richtigen Kunden anziehen», das erzählt man weiter.

Vertrauen wird langsam aufgebaut und schnell verspielt. Schweizer Kund:innen prüfen genauer. Sie fragen im Netzwerk nach. Sie googeln Dich. Zahlen des Schweizer KMU-Barometers zeigen: 72% der Geschäftskund:innen nennen persönliche Empfehlungen als wichtigstes Entscheidungskriterium. Deine Positionierung muss also nicht nur auf der Website stimmen. Sie muss sich in jedem Gespräch, jeder Offerte, jedem Projekt bestätigen.

Qualität wird vorausgesetzt, Differenzierung nicht. In der Schweiz erwartet man gute Arbeit. Das allein reicht also nicht als Positionierung. «Wir liefern Qualität» ist hier kein Differenzierungsmerkmal, es ist die Eintrittskarte. Was Dich unterscheidet, liegt jenseits der Qualität: Dein Prozess, Deine Perspektive, Dein spezifisches Verständnis für eine bestimmte Branche oder ein bestimmtes Problem.

«In der Schweiz brauchst Du keine laute Marke. Du brauchst eine klare. Eine, die man weitererzählen kann, ohne nachdenken zu müssen.»

Wenn Du wissen willst, wie Du Deine Zielgruppe für den Schweizer Markt definierst, lies den nächsten Teil dieser Serie. Dort gehen wir genau darauf ein.

Dein Positionierungs-Statement in 30 Minuten

Jetzt wird es konkret. Nimm Dir einen Kaffee, ein leeres Blatt und dreissig Minuten. Kein Handy, keine Ablenkung. Du machst das jetzt.

Schritt 1: Sammle Rohmaterial (10 Minuten)

Beantworte diese Fragen schriftlich, ohne zu filtern. Stichworte reichen.

  • Wer sind Deine drei besten bisherigen Kund:innen? (Die, bei denen alles gestimmt hat: Zusammenarbeit, Ergebnis, Bezahlung.)
  • Was haben diese drei gemeinsam? (Branche? Unternehmensgrösse? Persönlichkeit? Problem?)
  • Welches Problem hattest Du für sie gelöst, und zwar das echte, nicht das offizielle? (Offiziell: «neues Logo». Echt: «endlich ernst genommen werden».)
  • Was hast Du gemacht, das jemand anders nicht so gemacht hätte? (Dein Ansatz, Deine Erfahrung, Dein Blickwinkel.)
  • Wenn Deine beste Kundin einer Freundin von Dir erzählt, was sagt sie?

Schritt 2: Formuliere die drei Sätze (10 Minuten)

Nimm Deine Antworten und destilliere sie in das 3-Satz-Framework:

  1. Ich helfe [konkreter Personengruppe],
  2. die [konkretes Problem/Herausforderung haben].
  3. Mein Ansatz: [was Dich anders macht].

Schreib mindestens drei Varianten. Nicht grübeln, schreiben. Die erste Version ist nie die beste, aber sie ist der Anfang.

Schritt 3: Der Stammtisch-Test (5 Minuten)

Lies Deine beste Variante laut vor. Stell Dir vor, Du sitzt am Stammtisch und jemand fragt: «Und, was machst Du so?»

Prüfe:

  • Versteht jemand ohne Branchenwissen sofort, worum es geht?
  • Klingt es nach Dir, oder nach einer Unternehmensberatungs-Broschüre?
  • Ist es spezifisch genug, dass die Person sagen kann: «Oh, da kenne ich jemanden, der das braucht»?

Wenn nicht: zurück zu Schritt 2. Einfacher formulieren. Konkreter werden.

Schritt 4: Realitäts-Check (5 Minuten)

Letzte Fragen:

  • Stimmt das noch in einem Jahr? Positionierung ist kein Tattoo, aber sie sollte mindestens 12 bis 18 Monate tragen.
  • Hast Du Beweise dafür? Referenzen, Ergebnisse, Erfahrung? Falls nicht: Ist es trotzdem authentisch?
  • Grenzt es Dich wirklich ab? Könnte Dein grösster Konkurrent denselben Satz sagen? Dann ist es keine Positionierung. Dann ist es eine Beschreibung.

Schreib Dein finales Statement auf. Häng es an den Bildschirm. Nutz es als Eröffnung auf Deiner Website, als Intro in Deinem LinkedIn-Profil, als Antwort auf «Was machst Du?».

Dein nächster Schritt

Du hast jetzt ein Positionierungs-Statement. Gut. Aber ein Statement allein verändert nichts. Es muss in alles einfliessen: Dein Logo, Deine Website, Deine Angebote, Deine Preise, Dein Auftreten.

Das ist der Punkt, an dem viele Gründer:innen allein nicht weiterkommen. Nicht, weil sie es nicht könnten, sondern weil man den eigenen blinden Fleck nicht sieht. Du brauchst jemanden, der die richtigen Fragen stellt. Der nachhakt, wenn es zu vage wird. Der Dir hilft, aus «ich mache irgendwie alles» ein «dafür stehe ich» zu machen.

Genau dafür gibt es das Minimum-Angebot. Es enthält einen Positionierungs-Workshop, in dem wir in 90 Minuten Deine Positionierung gemeinsam schärfen, plus die visuelle Grundlage, um sie nach aussen zu tragen. Kein Overhead, kein Agentursprech. Direkt, ehrlich, auf den Punkt.

Weil eine klare Positionierung der grösste Hebel ist, den Du als Gründer:in hast. Grösser als jedes Logo. Grösser als jede Website. Denn wenn Du weisst, warum jemand Dich wählt, weisst Du auch, was Du sagen musst, und was Du weglassen kannst.

Häufige Fragen

Was ist Positionierung im Branding? +

Positionierung ist die strategische Entscheidung, wofür Du stehst, wen Du ansprichst und warum jemand Dich wählen soll statt alle anderen. Sie ist das Fundament für Design, Kommunikation und Preisgestaltung.

Wie finde ich meine Positionierung als Gründer:in? +

Starte mit drei Fragen: Was kannst Du besser als andere? Wer braucht genau das? Und warum sollten sie Dir vertrauen? Die Schnittmenge dieser Antworten ist Deine Positionierung.

Brauche ich eine Positionierung vor dem Logo? +

Ja, immer. Ein Logo ohne Positionierung ist Dekoration. Erst wenn klar ist, wofür Du stehst, kann ein visueller Auftritt entwickelt werden, der diese Botschaft transportiert.

Was kostet eine professionelle Positionierung? +

Bei Alchemy Zürich ist die Positionierung Teil jedes Branding-Angebots, ab CHF 6'500. Sie entsteht in einem strukturierten Strategieworkshop und bildet das Fundament für alles Weitere.

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