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Design-Briefing schreiben: Leitfaden mit Checkliste für Designer:innen

So schreibst Du ein Design-Briefing, das funktioniert. Mit 7-Punkte-Leitfaden, Checkliste und konkreten Beispielen, damit Designer:innen liefern, was Du Dir vorstellst.

Design-Briefing schreiben: Leitfaden mit Checkliste für Designer:innen

Ein gutes Design-Briefing ist der Unterschied zwischen einem Ergebnis, das Dich begeistert, und einem, das «irgendwie nicht passt». Kein bürokratisches Dokument, sondern Deine beste Investition in ein Projekt, bevor ein einziger Pixel gesetzt wird. Und die gute Nachricht: Es ist einfacher, als Du denkst.

Die Kurzversion: Beschreib das Problem, nicht die Lösung. Sag, wen Du erreichen willst, nicht welche Farbe das Logo haben soll. Und sei ehrlich über Budget und Erwartungen. Damit hast Du schon mehr getan als 80% aller Auftraggeber.

Warum die meisten Briefings scheitern

Jede Designerin, jeder Art Director, jede Agentur hat Geschichten über Briefings, die nicht funktioniert haben. Nicht aus böser Absicht, sondern weil die Grundlage fehlte.

Die häufigsten Szenarien:

Das «Mach mal was Schönes»-Briefing. Kein Ziel, keine Zielgruppe, keine Rahmenbedingungen. Der Designer entwirft auf gut Glück. Du siehst das Ergebnis und sagst: «Das war nicht, was ich mir vorgestellt habe.» Natürlich nicht. Weil Du nicht gesagt hast, was Du Dir vorstellst.

Das «Ich weiss genau, was ich will»-Briefing. Du hast schon entschieden: blaues Logo, serifenlose Schrift, minimalistisch. Der Designer setzt um, was Du sagst, und das Ergebnis funktioniert nicht. Weil Du die Lösung vorgegeben hast, statt das Problem zu beschreiben. Designer sind Problemlöser. Wenn Du ihnen die Lösung gibst, nimmst Du ihnen das Werkzeug weg.

Das «Alle reden mit»-Briefing. Fünf Leute haben fünf Meinungen. Keine Hierarchie, kein Entscheider. Das Ergebnis ist ein Kompromiss, der niemandem gefällt.

In der Praxis erlebe ich das immer wieder: Ein Projekt läuft in Korrekturschleifen, nicht weil die Designerin schlechte Arbeit gemacht hat, sondern weil das Briefing keine klare Richtung vorgegeben hat. Branchenstudien bestätigen das: Die Mehrheit der Design-Projekte scheitert nicht an mangelndem Können, sondern an unklaren Briefings. Das heisst: Die wichtigste Design-Entscheidung triffst Du, bevor Du überhaupt eine Agentur beauftragst.

Was ein gutes Briefing enthält

Ein solides Briefing beantwortet sieben Fragen. Nicht mehr, nicht weniger. Und es passt auf zwei bis drei A4-Seiten. Alles darüber hinaus wird nicht gelesen, und alles darunter lässt zu viel offen.

1. Wer bist Du?

Klingt offensichtlich. Ist es aber nicht. Der Designer muss verstehen, wer hinter dem Auftrag steht. Nicht die ganze Unternehmensgeschichte, aber das Wesentliche:

  • Was macht Dein Unternehmen?
  • Wie lange gibt es euch?
  • Was macht euch anders als die Konkurrenz?
  • Welche Werte sind euch wichtig (wirklich, nicht auf dem Papier)?

Wenn Du hier Mühe hast, ist das kein Briefing-Problem. Das ist ein Positionierungsproblem. Und das sollte gelöst werden, bevor Du in Design investierst.

2. Wen willst Du erreichen?

Deine Zielgruppe bestimmt alles: Farben, Sprache, Stil, Medium. Ein Logo für eine Anwaltskanzlei, die Firmenkunden betreut, sieht komplett anders aus als ein Logo für ein Yoga-Studio, das junge Berufstätige anspricht.

Beschreib Deine Zielgruppe so konkret wie möglich:

  • Alter, Branche, Position (bei B2B)
  • Was beschäftigt sie? Was wollen sie?
  • Wo treffen sie auf Deine Marke? (Online? Print? Messen?)
  • Was erwarten sie von einem Anbieter wie Dir?

3. Was ist das Ziel des Projekts?

Nicht «ein schönes Logo». Sondern: Was soll das Design bewirken?

Beispiele für klare Ziele:

  • «Wir wollen als Premium-Anbieter wahrgenommen werden, um höhere Preise durchsetzen zu können.»
  • «Wir wollen jüngere Kunden ansprechen, ohne unsere bestehenden Kunden zu verprellen.»
  • «Wir wollen professionell genug aussehen, um Kooperationsanfragen von grösseren Unternehmen zu bekommen.»

Je klarer das Ziel, desto besser kann der Designer darauf hinarbeiten. Und desto einfacher ist es am Ende zu bewerten, ob das Ergebnis funktioniert.

4. Was existiert schon?

Gibt es bereits ein Logo? Farben? Eine Website? Brand Guidelines? Vergangene Designs, die gut oder schlecht funktioniert haben?

Alles, was existiert, ist relevant. Auch das, was nicht funktioniert hat; manchmal sogar besonders.

Schick dem Designer alle bestehenden Materialien. Nicht als «so soll es aussehen», sondern als Kontext. Damit er versteht, wo Du herkommst und wohin Du willst.

5. Was ist der Rahmen?

Budget: Ja, Du solltest das Budget nennen. Ich weiss, viele Auftraggeber tun sich damit schwer. Aber überleg mal: Wenn Du einem Architekten sagst «bau mir ein Haus», ohne das Budget zu nennen, bekommst Du dann einen Entwurf, der zu Dir passt? Nein. Du bekommst entweder eine Villa oder einen Container.

In der Schweiz liegen die Kosten für professionelles Brand Design typischerweise zwischen CHF 5’000 und CHF 15’000, je nach Umfang. Diese Bandbreite zu kennen hilft, sowohl Dir als auch dem Designer. Einen detaillierten Überblick findest Du bei Was Branding wirklich kostet.

Zeitrahmen: Wann brauchst Du das Ergebnis? Gibt es einen harten Termin (Messe, Launch, Saison)? Oder ist es flexibel?

Eine Faustregel: Gutes Design braucht Zeit. Ein Logo-Projekt dauert in der Schweiz typischerweise vier bis acht Wochen. Ein komplettes Brand System sechs bis zwölf Wochen. Wer in zwei Wochen ein Corporate Design braucht, bekommt ein Eilprojekt. Nicht die beste Arbeit.

6. Richtung und Anti-Richtung

Hier wird es spannend. Und hier liegt der grösste Mehrwert des Briefings.

Beispiele, die Dir gefallen: Zeig dem Designer Websites, Logos, Marken, Plakate. Alles, was in die richtige Richtung geht. Nicht als Vorlage zum Kopieren, sondern als Orientierung. Sag dazu, was genau Dir gefällt. «Die Farben» ist zu vage. «Die reduzierte Farbpalette mit dem starken Kontrast zwischen Dunkelblau und Weiss» gibt dem Designer etwas, womit er arbeiten kann.

Anti-Beispiele: Genauso wichtig. Was willst Du auf keinen Fall? Welcher Stil passt nicht zu Dir? «Nicht zu verspielt, nicht zu corporate, nicht zu bunt.» Das schliesst grosse Bereiche aus und hilft dem Designer, den richtigen Korridor zu finden.

Das grösste Einzelelement, das die Qualität eines Ergebnisses beeinflusst: visuelle Referenzen mit konkreter Begründung. Nicht «ich mag das», sondern «ich mag das, weil es diese Wirkung auf meine Zielgruppe hat».

7. Wer entscheidet?

Das klingt nach einem organisatorischen Detail. Es ist der wichtigste Punkt im ganzen Briefing.

Wer gibt das finale «Ja»? Eine Person? Ein Gremium? Der Geschäftsführer, der am Ende alles umwirft?

Definier vorher:

  • Wer ist Ansprechperson während des Projekts?
  • Wer gibt Feedback in welcher Runde?
  • Wer trifft die finale Entscheidung?

In der Schweiz, wo Konsens geschätzt wird, ist die Versuchung gross, alle einzubeziehen. Tu es nicht. Oder zumindest: Nicht alle gleichzeitig, nicht alle mit gleichem Stimmrecht. Ein Designprojekt, das von einem Komitee gesteuert wird, endet in Mittelmaass. Jedes Mal.

Miriam sagt es aus Erfahrung: «Das beste Briefing, das ich je bekommen habe, war eine Seite lang. Eine Seite. Aber jeder Satz hatte Substanz. Ich wusste sofort, wer die Kundin ist, wen sie erreichen will und was das Design leisten soll.» Das schlechteste? 14 Seiten lang, und sie hatte hinterher mehr Fragen als vorher.

Die drei häufigsten Briefing-Fehler

Geschmack statt Strategie: «Ich mag kein Gelb» ist eine Präferenz. «Unsere Zielgruppe assoziiert Gelb mit Billigangeboten» ist eine strategische Aussage. Gutes Design funktioniert nicht für Dich. Es funktioniert für Deine Kunden.

Kein Budget nennen: Viele Auftraggeber in der Schweiz scheuen sich davor. Das Gegenteil passiert: Ohne Rahmen schiesst der Designer daneben, zu gross oder zu klein.

Zu spät briefen: Manche kommen, wenn die Website steht und nur noch «ein Logo drauf» muss. Oder die Messe ist in drei Wochen. Ein Briefing unter Zeitdruck ist fast immer ein schlechtes Briefing.

Die Briefing-Checkliste

Hier ist alles auf einen Blick. Druck Dir das aus, füll es aus, schick es Deinem Designer. Fertig.

Über Dich:

  • Unternehmensname und Branche
  • Gründungsjahr und Grösse
  • Mission / Werte (in einem Satz)
  • Was unterscheidet Dich von der Konkurrenz?

Über Deine Zielgruppe:

  • Wer sind Deine idealen Kunden?
  • Was erwarten sie? Was brauchen sie?
  • Wo treffen sie auf Dich?

Über das Projekt:

  • Was soll gemacht werden? (Logo, Website, Brand System…)
  • Warum? (Was funktioniert nicht mehr? Was soll sich ändern?)
  • Was soll das Ergebnis bewirken?

Rahmenbedingungen:

  • Budget (Bereich reicht)
  • Zeitrahmen / Deadline
  • Bestehende Materialien (ja/nein, welche?)

Richtung:

  • 3–5 Beispiele, die Dir gefallen (mit Begründung)
  • 2–3 Anti-Beispiele (was Du nicht willst)
  • Stichworte zur gewünschten Wirkung (z.B. «professionell, warm, reduziert»)

Entscheidungsstruktur:

  • Ansprechperson
  • Feedback-Prozess
  • Finale Entscheidung: Wer?

Der Unterschied zwischen Briefing und Workshop

Ein Briefing ist das, was Du vorbereitest. Ein Workshop ist das, was gemeinsam passiert. Beides hat seinen Platz.

Gute Agenturen arbeiten nicht einfach Dein Briefing ab. Sie nutzen es als Ausgangspunkt und gehen im persönlichen Gespräch tiefer. Sie stellen die Fragen, die Du Dir selbst nicht gestellt hast. Sie haken nach, wenn etwas vage bleibt.

Wenn Du eine Branding-Agentur in der Schweiz auswählen willst, achte darauf, wie sie mit dem Briefing umgeht. Eine Agentur, die einfach umsetzt, was Du sagst, ohne nachzufragen, ist keine gute Agentur. Eine, die Dein Briefing als Grundlage nimmt und daraus ein besseres Verständnis entwickelt: das ist eine Partnerin.

Ein gutes Briefing spart Dir Geld

Nimm Dir eine Stunde (eine einzige) und füll die Checkliste aus. Das spart Dir später Wochen an Korrekturschleifen, Missverständnissen und Frustration.

Tanner Schadstoffsanierung, eine Neugründung im Baugewerbe, kam zu uns mit einem sehr klaren Briefing: Wer sie sind, wen sie erreichen wollen, was sie brauchen und was sie sich erhoffen. Das Projekt lief aussergewöhnlich reibungslos. Bereits kurz nach dem Launch kamen die ersten Aufträge über Kanäle, die der neue Auftritt erst möglich gemacht hat. Ein gutes Briefing ist kein Nice-to-have. Es ist der Anfang von guter Arbeit.

Wenn Du merkst, dass Du die ersten Fragen nicht beantworten kannst («Wer bin ich? Wen will ich erreichen? Was macht mich anders?»), dann brauchst Du kein Briefing. Dann brauchst Du zuerst Klarheit über Deine Positionierung.

Genau dafür gibt es unser Essentiell-Angebot ab CHF 15’000: Positionierungs-Workshop plus die visuelle Grundlage, die Dein nächstes Briefing zum besten macht, das Dein Designer je bekommen hat.

Weil ein gutes Briefing nicht mit dem Design anfängt. Es fängt mit dem Verständnis an.

Häufige Fragen

Was gehört in ein gutes Design-Briefing? +

Ein gutes Briefing enthält: Hintergrund zu Deinem Unternehmen, klare Zielgruppe, das Projektziel, Budget und Zeitrahmen, bestehende Markenelemente, Beispiele für Richtung (und Anti-Beispiele), sowie messbare Erfolgskriterien.

Wie lang sollte ein Design-Briefing sein? +

Ein gutes Briefing passt auf zwei bis drei A4-Seiten. Kürzer ist zu vage, länger wird nicht gelesen. Konzentrier Dich auf die wesentlichen Informationen, die der Designer braucht, um die richtige Richtung einzuschlagen.

Welche Fehler sollte ich beim Briefing vermeiden? +

Die häufigsten Fehler: zu vage bleiben ('mach mal was Schönes'), Design-Lösungen vorschreiben statt das Problem zu beschreiben, zu viele Entscheider ohne klare Hierarchie, kein Budget nennen und kein Feedback-Prozess definieren.

Soll ich im Briefing ein Budget nennen? +

Ja, unbedingt. Ein klares Budget hilft Designer:innen, realistische Lösungen vorzuschlagen. Wer kein Budget nennt, bekommt entweder zu aufwändige oder zu einfache Vorschläge und verliert Zeit in beiden Fällen.

Brauche ich ein Briefing, wenn die Agentur einen eigenen Prozess hat? +

Ja. Auch wenn die Agentur einen strukturierten Onboarding-Prozess hat, hilft ein Briefing Dir, Deine eigenen Gedanken zu sortieren. Es ist gleichzeitig eine Vorbereitung für Dich und ein Ausgangspunkt für das Erstgespräch.

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