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Brand Voice entwickeln: So klingt Deine Marke authentisch

Brand Voice entwickeln: So definierst Du Deine Markenstimme in 4 Dimensionen. Mit Workshop-Methode, Vorher-Nachher-Beispielen und Vorlage für Schweizer KMU.

Brand Voice entwickeln: So klingt Deine Marke authentisch

Deine Marke hat ein Logo. Sie hat Farben. Vielleicht sogar ein schönes Gestaltungsraster. Aber wie klingt sie? Wenn drei verschiedene Menschen in Deinem Unternehmen eine E-Mail an Kund:innen schreiben, klingen die nach derselben Marke? Oder nach drei verschiedenen Persönlichkeiten?

Die meisten Unternehmen investieren Wochen in ihr visuelles Erscheinungsbild und exakt null Stunden in ihre Stimme. Das Ergebnis: Die Website klingt nach Agentur, die Social-Media-Posts nach Praktikant:in und die Offerten nach Jurist:in. Alles unter demselben Logo. Aber nichts davon klingt nach Marke.

In Teil 4 dieser Serie hast Du Markenwerte entwickelt. Jetzt übersetzen wir diese Werte in Sprache. Denn Brand Voice ist nicht «Du oder Sie». Es ist die gesamte Persönlichkeit Deiner Marke, ausgedrückt in Worten.

Was Brand Voice wirklich ist

Brand Voice ist die Art, wie Deine Marke spricht: über alle Kanäle, alle Formate, alle Situationen hinweg. Nicht der Inhalt (was Du sagst), sondern die Art, wie Du es sagst.

Denk an Menschen, die Du gut kennst. Du erkennst eine Nachricht von Deiner besten Freundin, auch ohne den Absender zu sehen. Nicht wegen des Themas, sondern wegen der Wortwahl, des Rhythmus, der Haltung. Genau das ist Brand Voice: Deine Marke wird erkennbar, bevor jemand das Logo sieht.

Konsistenz beginnt bei der Sprache, dem Element, das die meisten Touchpoints dominiert. Deine Website, Deine E-Mails, Deine Social-Media-Posts, Deine Offerten, Deine Rechnungen: alles Text. Alles Stimme. Und wenn diese Stimme jedes Mal anders klingt, entsteht kein Vertrauen, egal wie gut das Logo ist.

Die 4 Dimensionen der Brand Voice

Brand Voice ist kein einzelner Schieberegler zwischen «locker» und «formell». Sie hat vier Dimensionen, die zusammen Deine sprachliche Identität bilden.

1. Persönlichkeit

Wenn Deine Marke eine Person wäre, was für eine? Nicht «innovativ und kundenorientiert» (das sagen alle), sondern: Ist sie eher die ruhige Expertin, die wenig spricht, aber wenn, dann sitzt jedes Wort? Oder die energetische Macherin, die Dinge auf den Punkt bringt und zum Handeln motiviert?

Drei bis fünf Persönlichkeitsmerkmale reichen. Aber sie müssen spezifisch sein. «Professionell» ist kein Merkmal, es ist eine Mindestanforderung. «Direkt, warm, mit trockenem Humor» ist ein Merkmal. Das schliesst etwas aus: nämlich förmlich, distanziert und bierernst.

2. Ton

Der Ton variiert je nach Kontext, aber innerhalb eines definierten Spektrums. Deine Marke klingt in einem Instagram-Post anders als in einer Beschwerdeantwort. Aber sie sollte nie so anders klingen, dass man sie nicht wiedererkennt.

Definiere Dein Tonspektrum mit Gegensatzpaaren:

  • Eher locker vs. eher formell (wo genau?)
  • Eher emotional vs. eher sachlich (wo genau?)
  • Eher provokant vs. eher zurückhaltend (wo genau?)
  • Eher humorvoll vs. eher ernst (wo genau?)

Und dann: Wie verschiebt sich der Regler je nach Situation? Auf Social Media vielleicht zwei Stufen lockerer. In einer Reklamation eine Stufe ernster. Aber nie am anderen Ende des Spektrums.

3. Sprache

Die konkreten sprachlichen Mittel. Hier wird es handwerklich:

Satzlänge: Kurze, klare Sätze? Oder längere, erklärende Konstruktionen? Mischung?

Wortschatz: Fachbegriffe oder Alltagssprache? Anglizismen oder deutsche Begriffe? «Conversion Rate» oder «Abschlussquote»?

Ansprache: Du, Sie, ihr, man? Gendergerecht und wenn ja, wie? Doppelpunkt, Sternchen, neutrale Formulierung?

Stilmittel: Metaphern? Aufzählungen? Rhetorische Fragen? Direkte Aufforderungen?

No-Gos: Welche Wörter, Phrasen oder Stilmittel verwendet Deine Marke nie? Das ist oft aufschlussreicher als die Do-Liste. Bei uns zum Beispiel: kein «wir sind leidenschaftlich», kein «massgeschneidert», kein «ganzheitlich».

4. Zweck

Warum spricht Deine Marke? Was will sie bei der Leserin auslösen? Nicht verkaufen (das ist das Geschäftsmodell, nicht die Stimme). Sondern: Will sie Klarheit schaffen? Mut machen? Zum Nachdenken anregen? Befähigen?

Der Zweck ist der Kompass für alles andere. Wenn Dein Zweck «Klarheit schaffen» ist, dann schreibst Du keine nebulösen Teaser. Wenn Dein Zweck «befähigen» ist, dann schreibst Du keine Texte, die Abhängigkeit erzeugen.

Vorher / Nachher: Brand Voice in Aktion

Theorie ist schön. Hier siehst Du den Unterschied.

Beispiel 1: Über-uns-Text

Vorher (ohne Brand Voice): «Wir sind ein dynamisches Unternehmen mit langjähriger Erfahrung im Bereich digitale Kommunikation. Unser Team aus qualifizierten Fachkräften bietet massgeschneiderte Lösungen für anspruchsvolle Kunden.»

Nachher (Brand Voice: direkt, klar, mit Haltung): «Wir machen Branding für Leute, die etwas aufbauen. Keine Konzernpolitik, keine Buzzwords. Strategie, Design und ein System, das funktioniert, auch wenn Du es nicht erklären musst.»

Beispiel 2: Social-Media-Post

Vorher: «Erfahren Sie mehr über unsere innovativen Branding-Lösungen und wie wir Ihrem Unternehmen zu mehr Sichtbarkeit verhelfen können.»

Nachher: «Dein Logo gefällt Dir nicht. Deine Website erklärt nicht, was Du tust. Und jedes Mal, wenn Du Deine Visitenkarte rausholst, entschuldigst Du Dich innerlich. Das muss nicht so bleiben.»

Derselbe Absender. Aber der zweite Text hat eine Stimme. Eine erkennbare, menschliche, differenzierende Stimme.

Der Schweizer Faktor: Mehrsprachigkeit

In der Schweiz sprichst Du möglicherweise drei Sprachen, aber Deine Marke muss in jeder gleich klingen.

Das ist die besondere Herausforderung für Schweizer KMU. Deine Brand Voice muss über Sprachgrenzen hinweg funktionieren. Und «funktionieren» heisst nicht «wörtlich übersetzen». Es heisst: dieselbe Persönlichkeit, angepasst an die sprachlichen und kulturellen Codes der jeweiligen Sprache.

Ein Beispiel: «Klartext» klingt auf Deutsch direkt und positiv. «Plain talk» auf Englisch klingt eher simpel. «Parler franc» auf Französisch hat nochmals eine andere Konnotation. Dieselbe Markenhaltung braucht in jeder Sprache andere Wörter, um dieselbe Wirkung zu erzielen.

Die Zahlen sind eindeutig: Rund 40 % der Schweizer Erwerbstätigen nutzen regelmässig mehr als eine Sprache am Arbeitsplatz (BFS, 2023). Wenn Du mehrsprachig kommunizierst, brauchst Du pro Sprache eine eigene Brand-Voice-Dokumentation, nicht nur eine Übersetzungsliste. Mehr dazu im Artikel über zweisprachige Positionierung.

Workshop-Methode: Brand Voice in 90 Minuten definieren

Du brauchst keinen Dreitages-Workshop. Du brauchst 90 fokussierte Minuten und die richtigen Fragen.

Minute 0–20: Persönlichkeits-Kartenspiel. Schreib 20 Adjektive auf Karten (mutig, leise, frech, sachlich, warm, provokant, nüchtern, poetisch …). Sortiere in drei Stapel: «Das sind wir», «Das sind wir nicht», «Vielleicht». Aus dem «Das sind wir»-Stapel wählst Du die fünf treffendsten.

Minute 20–40: Anti-Beispiele sammeln. Sammle Texte anderer Marken, die Du auf keinen Fall so klingen willst. Das schärft Dein Profil oft schneller als Positivbeispiele. Wenn Du weisst, wie Du nicht klingen willst, weisst Du viel darüber, wie Du klingen willst.

Minute 40–60: Die vier Dimensionen ausfüllen. Persönlichkeit, Ton, Sprache, Zweck, jeweils in zwei bis drei Sätzen. Nicht perfekt, aber ehrlich. Die Perfektion kommt in der Anwendung.

Minute 60–90: Testschreiben. Nimm drei konkrete Texte aus Deinem Alltag (Website-Headline, Instagram-Post, Kunden-E-Mail) und schreib sie in Deiner neuen Brand Voice um. Fühlt es sich richtig an? Zu gezwungen? Zu brav? Justiere.

Die beste Brand Voice ist die, die sich anfühlt, als hättest Du schon immer so gesprochen. Nur zum ersten Mal bewusst. Sie erfindet nichts Neues. Sie macht explizit, was implizit schon da war.

Deine Brand-Voice-Vorlage

Dokumentiere Deine Brand Voice auf maximal zwei Seiten. Mehr liest niemand. So könnte die Struktur aussehen:

1. Persönlichkeit (3–5 Eigenschaften mit je einem Satz Erklärung)

2. Tonspektrum (Gegensatzpaare mit Markierung, wo Du stehst)

3. Sprachregeln (Do’s und Don’ts, konkrete Wortlisten, Ansprache)

4. Zweck (Ein Satz: Was soll jeder Text bei der Leserin auslösen?)

5. Beispieltexte (3 Musterformulierungen für typische Situationen)

Dieses Dokument wird Teil Deiner Brand Guidelines. Es ist das Kapitel, das die meisten Guidelines vergessen, und das im Alltag am meisten gebraucht wird.

Brand Voice und Deine Positionierung

Brand Voice ist keine isolierte Stilübung. Sie ist die direkte Übersetzung Deiner Positionierung in Sprache. Wenn Du Dich als die ehrlichste Beraterin Deiner Branche positionierst, dann muss Deine Brand Voice das widerspiegeln: direkt, ungeschönt, ohne Floskeln.

Und sie muss mit Deinen Markenwerten übereinstimmen. Wenn einer Deiner Werte «Klarheit vor Cleverness» ist, dann schreibst Du keine doppeldeutigen Wortspiele in Deine Headlines, auch wenn die Agentur sie witzig findet.

Die stärksten Marken klingen so, wie sie aussehen, und sehen so aus, wie sie handeln. Das ist Konsistenz. Und Konsistenz erzeugt Vertrauen. Besonders in der Schweiz, wo Vertrauen über Empfehlungen und persönliche Beziehungen aufgebaut wird.

Café Lang hat das genau so erlebt. Als wir die Brand Voice für das Café entwickelt haben, war das Ziel klar: Die Texte sollen sich anfühlen wie das Café selbst: warm, direkt, ohne aufgesetzten Charm. «Die Website fühlt sich an wie das Café», hat die Inhaberin hinterher gesagt. Das ist Brand Voice, wenn sie funktioniert.

Deine Stimme, Deine Marke

Du weisst jetzt, was Brand Voice ist, welche Dimensionen sie hat und wie Du Deine eigene in 90 Minuten definieren kannst. Der nächste Schritt: machen. Nimm Dir die 90 Minuten. Schreib es auf. Teste es an echten Texten.

Wenn Du merkst, dass Du Hilfe brauchst (weil Du zu nah dran bist, weil Du nicht weisst, ob es «stimmt», oder weil Deine Marke mehrsprachig funktionieren muss), dann ist das Essentiell-Angebot der richtige Rahmen. Es beinhaltet die komplette sprachliche und visuelle Identität Deiner Marke. Inklusive Brand Voice, die in jeder Sprache und jedem Kanal funktioniert.

Deine Marke spricht jeden Tag. Die Frage ist nur, ob sie etwas sagt oder nur Lärm macht.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Brand Voice und Tone of Voice? +

Brand Voice ist die grundlegende Persönlichkeit Deiner Marke in Worten. Sie bleibt immer gleich. Tone of Voice ist die situative Anpassung: Auf Social Media klingst Du vielleicht lockerer als in einem Angebot, aber die Grundpersönlichkeit bleibt dieselbe. Brand Voice ist wer Du bist, Tone of Voice ist wie Du Dich je nach Kontext ausdrückst.

Wie entwickle ich eine Brand Voice für ein mehrsprachiges Unternehmen? +

Definiere die Persönlichkeit und die Grundprinzipien sprachunabhängig. Erstelle dann für jede Sprache eine eigene Tonalitäts-Definition mit konkreten Beispielen. Die Persönlichkeit bleibt gleich, aber die sprachlichen Mittel unterscheiden sich. Ein Wort wie 'mutig' wird auf Deutsch anders umgesetzt als auf Englisch oder Französisch.

Brauche ich eine Brand Voice, wenn ich Soloselbständig bin? +

Gerade dann. Weil Du wahrscheinlich irgendwann Texte auslagern wirst: an eine Texterin, eine Social-Media-Agentur oder ein KI-Tool. Ohne dokumentierte Brand Voice klingt jeder dieser Texte anders. Mit Brand Voice klingt alles nach Dir, auch wenn Du es nicht selbst geschrieben hast.

Wie lange dauert es, eine Brand Voice zu entwickeln? +

In einem fokussierten Workshop-Setting: ein halber Tag für die Grundlagen, plus ein bis zwei Wochen für die Dokumentation und Beispieltexte. Der eigentliche Aufwand liegt danach: Brand Voice muss gelebt und über die ersten Wochen geschärft werden, bis sie sich natürlich anfühlt.

Kann ich meine Brand Voice mit KI-Tools wie ChatGPT umsetzen? +

Ja, aber nur wenn Du ein klares Brand-Voice-Dokument hast, das Du als Briefing einsetzt. Ohne diese Grundlage produziert KI generische Texte, die nach allen und niemandem klingen. Mit einem guten Brand-Voice-Guide wird KI zu einem nützlichen Werkzeug, aber nie zum Ersatz für strategische Spracharbeit.

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